REBHYGIENE IM WEINGARTEN. Ohne Kompromisse.

REBHYGIENE IM WEINGARTEN. Ohne Kompromisse.

Rund 400 Rebstöcke haben wir dieser Tage in unserer Ried Bartsatz entfernt. Weißburgunder und Chardonnay, die seit mehr als drei Jahrzehnten hier wachsen, Jahr für Jahr ihre Trauben getragen haben und längst ein fester Bestandteil dieses Weingartens geworden sind.

Als diese Reben Anfang der 1990er-Jahre gepflanzt wurden, bezahlte man noch mit Schilling. Im Radio lief vielleicht gerade „Wind of Change“ von den Scorpions, und vieles von dem, was heute selbstverständlich ist, lag noch in weiter Ferne.

Seither haben diese Rebstöcke viel erlebt. Heiße Sommer, kalte Winter, trockene und regenreiche Jahre. Sie haben tiefe Wurzeln geschlagen, sich an ihren Standort angepasst und über Jahrzehnte hinweg Trauben hervorgebracht, aus denen unsere Weine entstanden sind.

Umso mehr tut es weh, sie jetzt entfernen zu müssen.

WENN GESUNDHEIT VOR ALTER GEHT

Nicht alle der entfernten Rebstöcke waren abgestorben oder altersbedingt geschwächt. Leider mussten wir auch zahlreiche Reben roden, die bereits im Frühsommer positiv auf Flavescence dorée (FD), die sogenannte Goldgelbe Vergilbung, getestet wurden.

Diese durch Phytoplasmen verursachte Rebkrankheit wird hauptsächlich durch die Amerikanische Rebzikade übertragen und stellt eine ernst zu nehmende Bedrohung für den Weinbau dar. Befallene Rebstöcke können nicht geheilt werden und stellen eine mögliche Infektionsquelle für weitere Reben dar.

Gerade in alten Weingärten, deren Rebstöcke uns seit Jahrzehnten begleiten, fallen solche Entscheidungen besonders schwer.

Doch hier gibt es für uns keine Kompromisse.

REBHYGIENE IST KEINE OPTION. SIE IST VERANTWORTUNG.

Die konsequente Entfernung kranker und abgestorbener Rebstöcke ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit im Weingarten.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Pflanzen, sondern um die langfristige Gesundheit des gesamten Bestandes. Wer alte Weingärten erhalten möchte, muss manchmal auch unbequeme Entscheidungen treffen.

Denn jeder kranke Rebstock, der eine mögliche Infektionsquelle darstellt, gefährdet auch die gesunden Reben in seiner Umgebung.

Und gerade diese gesunden, alten Rebstöcke sind für uns besonders wertvoll. Sie sind über Jahrzehnte gewachsen, tief verwurzelt und ein wichtiger Teil dessen, was unsere Weine ausmacht.

MIT VERANTWORTUNG IN DIE ZUKUNFT.

Nach mehr als 30 Jahren ist ein Rebstock für uns weit mehr als nur eine Pflanze. Er ist ein Stück Geschichte, ein Teil unserer Arbeit und unserer Vorstellung davon, wie Wein entstehen soll.

Deshalb fällt es uns nicht leicht, diese Reben aus dem Weingarten zu entfernen. Aber nachhaltiger Weinbau bedeutet für uns nicht, alles um jeden Preis zu erhalten. Sondern genau hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und dort einzugreifen, wo es notwendig ist.

Damit unsere Weingärten auch in Zukunft gesund bleiben. Und damit uns möglichst viele der alten Reben noch lange begleiten können.

Manchmal muss man sich von einem Teil trennen, um das Ganze zu bewahren.

Oktober 2026

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